Herbstausstellung
Laufzeit: 18.September – 13. Dezember 2026
Eröffnung: Donnerstag, 17.09.2026
Kuratorin: Dr. Christiane Kuhlmann
Mit der Ausstellung Geste und Kostüm – Das barocke Porträt damals und heute (18. September bis 13. Dezember 2026) richtet das Emslandmuseum Schloss Clemenswerth den Blick auf das Porträt als Medium der Inszenierung. Ausgangspunkt sind die Bildnisse des Schlossgründers Kurfürst Clemens August von Bayern aus der Sammlung des Hauses, die erstmals aus ihrem gewohnten Kontext der Dauerausstellung herausgelöst und in einen Dialog mit Werken des Hamburger Künstlers Thorsten Brinkmann sowie Kupferstichen des französischen Druckgrafikers Claude Mellan (1598–1688) treten.
Die Porträts Clemens Augusts gehören unterschiedlichen ikonografischen Typen an und zeigen den Kurfürsten in wechselnden Rollen: als geistlichen Würdenträger, Landesherrn, Mäzen, Jäger oder Repräsentanten höfischer Macht. In ihrer Gesamtheit verweisen sie auf die Vielschichtigkeit neuzeitlicher Herrschaftsinszenierung. Das barocke Porträt war weniger Abbild einer individuellen Persönlichkeit als vielmehr visuelle Konstruktion sozialer und politischer Identität. Kleidung, Haltung, Blickführung und Gestik bildeten ein präzise codiertes Zeichensystem, das Rang, Legitimation und Tugend sichtbar machte. Die Ausstellung nimmt diese Bildsprache zum Ausgangspunkt, um nach den Bedingungen von Repräsentation und nach der Beziehung zwischen Rolle und Person zu fragen. Welche Aussagen über den historischen Clemens August lassen sich aus diesen Inszenierungen tatsächlich gewinnen? Und welche zeitgebundenen Vorstellungen von Macht, Geschlecht und sozialem Status schreiben sich in die Bildnisse ein?
Die Gegenüberstellung mit Werken Thorsten Brinkmanns erweitert diese kunsthistorische Perspektive um eine zeitgenössische Reflexion. Brinkmann arbeitet seit vielen Jahren an der Schnittstelle von Fotografie, Skulptur und Installation und untersucht die Mechanismen des Porträts mit den Mitteln performativer Selbstinszenierung. In seinen Fotografien übernimmt er häufig selbst historische Posen, ersetzt kostbare Gewänder jedoch durch Fundstücke des Alltags, Möbel, Verpackungen oder textile Materialien. Durch diese ebenso humorvollen wie präzise komponierten Bildfindungen legt er die Konstruiertheit historischer Repräsentationsformen offen und überführt sie in die Gegenwart. Seine Arbeiten machen deutlich, dass Fragen nach Identität, Status und Selbstentwurf keineswegs auf das Barock beschränkt sind, sondern auch heute von Bedeutung sind.
Eine weitere Ebene eröffnet die Einbeziehung von seltenen Kupferstichen Claude Mellans, die am Pariser Hof Ludwig des XIV. entstanden sind. Sie kommen aus der Sammlung Henry C. Brinker, dessen Familie vom Hümmling stammt. Gerade diese Bezugsebene war für Clemens August von besonderem Interesse, dessen Selbstverständnis und höfische Kultur vielfältig an französischen Vorbildern orientiert waren. Die Druckgrafiken verdeutlichen die europaweite Zirkulation höfischer Bildmodelle und machen nachvollziehbar, wie Gesten, Kleidung und Herrschaftssymbole als überregionale Codes funktionierten.
Indem Gemälde aus der Dauerausstellung in die Sonderausstellung überführt und in neue Zusammenhänge gestellt werden, eröffnet das Emslandmuseum zugleich einen kritischen Blick auf die eigene Sammlung. Bekannte Werke lassen sich jenseits ihrer historischen Präsentation neu lesen.
Begleitende Vermittlungsangebote greifen Themen wie Mode, Verkleidung, Körperhaltung und Identitätsentwürfe auf und übertragen sie in performative Formate. So schlägt Geste und Kostüm eine Brücke zwischen der höfischen Bildkultur des 17. und 18. Jahrhunderts und den Formen der Selbstinszenierung in der Gegenwart.
Bild: Emslandmuseum Schloss Clemenswerth